Geowissenschaftliche Sammlungen Berlin
   

Zum 175. Geburtstag von Wilhelm Hauchecorne

Wilhelm Hauchecorne (13. August 1828 - 15. Januar 1900)

Erster Präsident der 1873 gegründeten Preußischen Geologischen Landesanstalt in Berlin

Portrait von Wilhelm Hauchecorne
Vor 175 Jahren, am 13. August 1828, wurde Heinrich Lambert Wilhelm Hauchecorne in Aachen geboren. Er kommt aus einer Hugenottenfamilie, die Anfang des 18. Jahrhunderts aus der Normandie über Bayreuth nach Berlin kam. Nach Abschluss des Gymnasiums in Köln, wohin seine Eltern mit ihm und seinen drei Schwestern umzogen, meldete er sich als Bergbaubeflissener beim Oberbergamt Bonn, um sich vor dem Studium praktisches Wissen anzueignen. Nach einer sechseinhalbjährigen Ausbildung an der Bergakademie in Berlin bei Ernst Beyrich, Gustav Rose und Christian Samuel Weiß und auch an der Bergakademie Freiberg legte er eine Arbeit über die Kupfergrube St. Josephsberg am Virneberg bei Rheinbreitbach für das Referendar-Examen vor. Die Arbeit wurde als so vorzüglich bewertet, dass er nach seinem Examen das Angebot erhält, die Leitung jenes Bergbau-Betriebes zu übernehmen. 1855 heiratete er Alwine Althans, Tochter des Geh. Bergrats Carl Ludwig Althans.

Durch seine außerordentlichen Fähigkeiten und sein straffes Arbeitspensum konnte er in verhältnismäßig jungen Jahren weitere Stufen der Karriereleiter erklimmen: 1858 Berggeschworener im Revier Mayen, 1860 am Oberbergamt Bonn zur Vorbereitung auf die zweite Prüfung des Kollegiums, 1862 Bergassessor, 1893 Leiter der Handelsabteilung der Bergwerksdirektion Saarbrücken, 1865 Ernennung zum Berginspektor. Anfang 1866 wird er von Oberberghauptmann Krug von Nidda in die Ministerialabteilung für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen nach Berlin berufen. Ihm wird die Redaktion der Zeitschrift für Berg-, Hütten- und Salinenwesen und die Stellvertretung für den erkrankten Bergrat Lottner als Lehrer an der Bergakademie übertragen. Nach dem Tode Lottners wird Hauchecorne im September 1866 Direktor der Bergakademie.

Der deutsch-französische Krieg bereitet einer ruhigen Arbeitsphase ein jähes Ende. Erneut stellt er seine Fähigkeit unter Beweis, sich schnell in den unterschiedlichsten Aufgaben zurechtzufinden. Er wird nach Hagenau im Elsaß geschickt, zuständig für Bergbau-, Hüttenbetrieb und Salzgewinnung. Wenig später leitet er erfolgreich die Kaiserliche Tabak-Manufaktur in Straßburg. Das Eiserne Kreuz am weißen Bande erhält er allerdings für sein Wirken und seine Verdienste als Mitglied der "Internationalen Commission zur Feststellung der neuen Deutschen Reichsgrenze und zur Theilung des Vermögens der von der Grenze durchschnittenen Gemeindeverbände". (1) Diese Mitgliedschaft verdankt er nicht zuletzt seinem glänzenden Französisch und seinen guten Kenntnissen der französischen Verwaltung. Diese Arbeiten begleitet er nicht bis zum Ende.

Die Leitung der Bergakademie und die vorbereitenden Arbeiten zur Schaffung der geologischen Landesanstalt liegen ihm am Herzen. Wenige Jahre vor dem Krieg, genau am 12. Dezember 1866, bestimmte der damalige Handelsminister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten, Graf von Itzenplitz, in einem Erlass: "Ich bin damit einverstanden, dass für die herauszugebende Karte der Maasstab 1 : 25 000 gewählt wird, da dieselbe allerdings durch die Ausführung in so grossem Maasstabe neben einem höheren wissenschaftlichen Werthe zugleich eine allgemeinere Verwendung für technische und landwirthschaftliche Zwecke erlangen wird."(2) Diese Entscheidung war eine ganz wesentliche Voraussetzung für die zukünftige Institution. Ernst Beyrich hatte durch seine langjährige Landesaufnahme in Niederschlesien, dem Südharz und in Thüringen und seine intensiven Überlegungen die Idee begründet. Als Entscheidungshilfe für den Minister legte Beyrich Probeblätter der Umgebung von Ilfeld am Harz vor. Das Verdienst von Hauchecorne hierbei liegt in der uneingeschränkten Unterstützung und einer weitergehenden visionären Sicht über den Wert und die Möglichkeiten dieser Kartendarstellung. Der Weg für eine moderne geologische Landesaufnahme war geebnet.

Beide - Beyrich und Hauchecorne, der ehemalige Lehrer und sein Schüler - verband in vorbildlicher Weise die gemeinsame Aufgabe. Noch war nicht abzusehen, dass nicht nur für alle deutschen Länder, sondern auch über die Grenzen Deutschlands hinaus ihr Konzept beispielgebend wurde. Die Hauptarbeit stand noch bevor. Beyrich und Hauchecorne brauchten zahlreiche und gute Parter. Für den 9. und 10. März 1867 lud Hauchecorne interessierte, vorwiegend norddeutsche Geologen nach Berlin ein. Er entwickelte seine Vorstellungen der Vorgehensweise bis hin zur Farbgebung der Karten und zur Form der zukünftigen Veröffentlichungen. An der Veranstaltung nahmen E.E. Schmid aus Jena, F. Römer aus Breslau, Dunker aus Marburg, Siemens aus Halle, Credner, Beyrich, Ewald, Roth, Eck, Laspeyres und Lossen, alle Berlin, teil. Die Arbeiten im Rheinland sollten durch von Dechen organisiert werden und für die Arbeiten in Thüringen konnten die Erfahrungen namhafter Geologen wie unter anderen Liebe, Richter, Emmerich und von Fritsch genutzt werden. Die Thüringer Geologen stimmten dem Verlangen Hauchecornes zu, sowohl die Durchführung der geologischen Arbeiten als auch die spätere Veröffentlichung der Preußischen Geologischen Landesanstalt zu übertragen. Ein weiteres Beispiel außergewöhnlichen Verhandlungsgeschickes eines ungewöhnlich charismatischen Mannes!

Seit dem 1. Januar 1873 gibt es die Preußische Geologische Landesanstalt. Wilhelm Hauchecorne und Ernst Beyrich sind die ersten Direktoren. Der Personalbestand war anfangs noch gering, aber Hauchecorne verstand es, die Mehrzahl der Geologie-Professoren an den Preußischen Hochschulen als Mitarbeiter zu gewinnen: "Dieser Ausbau durch freie Abgliederung zahlreicher Fachgenossen, die dem jungen Unternehmen als Helfer, Mitarbeiter und Freunde zur Seite traten, und mit denen Hauchecorne fruchttragende freundliche Beziehungen gerne pflegte, ist in gleichem Maasse seiner persönlichen Liebenswürdigkeit wie seiner geschäftlichen Gewandtheit zu verdanken."(1) Die Verfassung der Anstalt wurde durch eine Order am 6. März 1875 durch den Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten, Achenbach, in dem Statut vom 8. April 1875 geregelt. Es enthält nur vier Paragraphen, und Zeitgenossen bezeichnen es als Hauchecornes "Meisterwerk und dauerndes Zeugnis seines organisatorischen Talents…"(1).

Die geologischen Sammlungen, beispielsweise, werden in zwei Punkten unter § 2 behandelt. Zum einen wird angestrebt, die Belegstücke zu den Kartenwerken, zusammen mit bildlichen Darstellungen, zum "Geologischen Museum" zu vereinigen und die technologischen Sammlungen des "Museums für Bergbau und Hüttenwesen" dem anzuschließen. Zum anderen soll darüber hinaus "im Lande gefundene Gegenstände von geologischem Interesse"(2) gesammelt und aufbewahrt werden. Wilhelm Hauchecorne hat bereits als Kind begonnen zu sammeln und das auch weiterhin betrieben. Seine eigene bedeutende Sammlung hat er der mineralogischen Sammlung seines Hauses, die anfangs noch bescheidenen Umfang hatte, zugeordnet. Großes Interesse zeigte er für alle Sammlungszugänge und Neuerwerbungen; bei einigen hat er sich selbst um den Erwerb gekümmert, andere forciert. Alle an unterschiedlichen Orten in Berlin untergebrachten Sammlungen wurden 1878 in dem neuen Haus untergebracht und systematisch geordnet.

Der Bezug des "eigenen" Hauses in der Invalidenstraße 44 im Jahre 1878 darf als weiterer Höhepunkt im Leben und Schaffen von Wilhelm Hauchecorne gewertet werden. Das Haus übernahm vom Ministerium die Bergwerksbibliothek und erhielt ein mineralogisches und metallurgisches Laboratorium. Während Ernst Beyrich erfolgreich die Kartierarbeiten im Gelände voranbrachte, widmete sich Wilhelm Hauchecorne mit großem Interesse und ausgerüstet mit guten drucktechnischen Kenntnissen der graphischen Gestaltung und der Farbgebung der Karten. "Er hat lange Jahre hindurch jeden Probe- und Correctur-Andruck eines geologischen Blattes persönlich durchgeprüft und gemustert."(1) Die deutschen geologischen Karten fanden auch im Ausland Beachtung. Als Zeichen der hohen Wertschätzung ihrer Arbeit wurden Beyrich und Hauchecorne durch den Internationalen Geologenkongress in Bologna 1881 die Ausführung der geologischen Karte von Europa im Maßstab 1 : 1 500 000 übertragen. Das erste Blatt dieser Karte konnte 1885 auf dem III. Internationalen Geologenkongress in Berlin vorgelegt werden. Dort fungierte Hauchecorne als Generalsekretär und Beyrich als Präsident. Die von Hauchecorne gewählte Farbgebung und Gestaltung wurde später von zahlreichen Ländern für ihre eigene Kartierung übernommen. Für die internationale Arbeit, für das Lesen der Karten über Ländergrenzen hinweg bedeutete das einen großen Fortschritt.

Beyschlag sagt anlässlich der Enthüllung der Büste von Wilhelm Hauchecorne: "Schlichtheit, Einfachheit und ein hohes Maass von Bescheidenheit gaben seinem Auftreten in der Oeffentlichkeit, wie im privaten Kreise etwas aussergewöhnlich Sympathisches. Dazu gesellte sich eine Vornehmheit der Gesinnung, die ihn von vornherein von jedem seiner Mitmenschen und namentlich seiner Beamten und Mitarbeiter immer nur das Beste annehmen ließ.…Wenn er hohe Anforderungen an seine Untergebenen stellte, stets sind sie weit übertroffen worden von denen, die er an sich selbst, an seine Arbeit, seine Gründlichkeit, seine Geduld stellte."(1) Er wurde 1876 zum Geheimen Bergrat und 1891 zum Geheimen Oberbergrat ernannt, 1886 ehrte ihn die Universität Heidelberg mit dem Dr. phil. h.c.. Wilhelm Hauchecorne starb am 15. Januar 1900. Er wurde in der Familiengrabstätte auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof in der Bergmannstraße in Berlin-Kreuzberg beigesetzt.

 

(1) BEYSCHLAG, FR. (1901): Gedächtnisrede auf Wilhelm Hauchecorne gelegentlich der Enthüllung seiner Büste… am 15. Januar 1902. - JB. PGLA für 1900, XCVI-CXIV

(2) HAUCHECORNE, W. (1881): Die Gründung und Organisation der Königlichen geologischen Landesanstalt für den Preussischen Staat. - JB. KPGLA und Bergakademie, 1880, IX-CV

EBERHARDT, F. (1997): Der Vater der Preußischen Geologischen Landesanstalt Wilhelm Hauchecorne (1828-1900). - Edition Luisenstadt, www.luise-berlin.de

STRUNZ, H. (1970): Von der Bergakademie zur Technischen Universität Berlin. - Verlag Glückauf GmbH, Essen, 151 S.

STRUNZ, H. (1974): 100 Jahre Preußische Geologische Landesanstalt. Festakt am 1. 6. 1973 in Hannover. Grußworte - Vorträge - wissenschaftliche Beiträge. - Geol. Jb., Reihe A, Heft 15



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Bearbeitungsstand: 19.10.2005