Wissenschaftliche Wochenberichte von der Sonne |
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"KOMEX" FS SONNE, 17.08.2004 SONNE-Fahrt SO-178 4. Wochenbericht / english Report (11.08.04 - 17.08.04) In der vierten Arbeitswoche begannen wir mit den ventgeologischen Untersuchungen
auf dem nordöstlichen Sachalin-Schelf und -Kontinentalhang. Zunächst
wurden die vorhandenen bathymetrischen Karten durch eine ausgedehnte Kartierung
mit dem Simrad ergänzt. Das Untersuchungsprogramm konzentrierte sich dabei
auf die aktiv entgasenden Gebiete. Das erste Mal auf dieser Fahrt behinderte
schlechteres Wetter mit Windstärken bis 8 unsere Stationsarbeit, und wir
konnten die letzte vorgesehene Kolbenlotstation zunächst nicht fahren.
Im Anschluss an die nächtliche Kartierung der Lavrentyev-Störung,
die in Teilen bisher nur vermutet werden konnte und jetzt klar in der Morphologie
herauskommt, konnte diese Station aber erfolgreich mit 24,30 m Kerngewinn nachgeholt
werden. In den Sedimenten auf dem Sachalin-Schelf fanden wir in den Kernen
zahlreiche Karbonatkonkretionen. Diese traten nicht nur an den Fuidaustrittsstellen,
sondern auch in den nicht durch Gasaustritte gekennzeichneten Gebieten auf.
In einem Kern trat sogar Glendonit, die Pseudomorphosen nach Ikait, auf. Diese
mineralischen Ausfällungen entstehen um den Gefrierpunkt in Anwesenheit
erhöhter organischer Substanz im Sediment. Am nördlichen Hang von
Sachalin haben wir drei Gebiete genauer untersucht, in denen die Hydroakustik
den Aufstieg von Gasblasen durch die Wassersäule anzeigte. In allen drei
Gebieten (Obzhirov Flare, Chaos Area and Kitami) konnten wir Sedimentkerne
mit massiven Gashydratschichten
gewinnen. Nachdem der Freitag, der 13., seinem Namen alle Ehre gemacht und
uns beidem Versuch die Gashydratschichten zu durchteufen unsere bisher erste
und einzige "Banane" bei
einem 6 m langen Kastenlot bescherte hatte, kam danach erstmalig der Hydrocorer
der Kollegen aus Wladiwostok zum Einsatz. Mit nur 300 kg Gewicht ermöglicht
dieses Lot einen Kerngewinn in gröberen Sedimenten durch eine simple Unterdruck-Kammer
am Lotkopf, die beim Eindringen in das Sediment aktiviert wird und gleichsam
den zu gewinnenden Kern in den Liner zieht. Die hydrat-haltigen Sedimenthorizonte
erstreckten sich jeweils über mehrere Kernmeter. Weiterhin gelang es uns,
aktive Fluidaustritte, die durch das Vorkommen von Bakterienmatten gekennzeichnet
sind, mit dem Video-geführten TV-Multicorer zu beproben. Mit dem TV-Greifer
konnten wir zudem große Mengen an Karbonatkonkretionen bergen. Auffallend
war die große Variationsbreite der Karbonatkonkretionen von scheibenförmigen,
teilweise lagig aufgebauten Formen bis hin zu traubenartig verbackenen Gebilden
und "Verklumpungen" mit zahlreichen Calyptogena-Schalen und großen
Gastropodengehäusen. Alle diese Konkretionen bestehen aus Hochmagnesium-Kalzit.
Daneben wurden aber zum ersten Mal auch Konkretionen aus Aragonit gefunden,
die in ihrer Struktur sehr denjenigen vor Oregon gleichen. Mit Hilfe dieser
Proben können wir die Herkunft des Methans, die Fluidaufstiegsraten und
den mikrobiellen Methanumsatz im Sediment bestimmen. Zudem können wir
die Geschichte der einzelnen Ventlokationen an Hand der sehr vielfältigen
Mineralisationen rekonstruieren. An einer der Ventlokationen, dem Obzhirov
Flare (54°26´N/144°04´E), führten wir ein umfangreiches
Programm zur Beprobung und Vermessung der Wassersäule mit einer sogenannten
JoJo-CTD durch. Wir haben die CTD nicht nach jedem Einsatz wieder nach oben
geholt, sondern gleich viermal hintereinander das untere Wassermassenstockwerk
an je ca. 300 m voneinander entfernt liegenden Stationen beprobt. Mit dieser
sehr effektiven Methode gelang es uns den sehr heterogenen Methanplume, der
sich hier über eine Fläche von ca. 1 km2 erstreckt, detailliert zu
kartieren. Mit der Parasound-Software, die uns die Universität Bremen
freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat, konnten wir den Methanplume
sehr gut abbilden und darin die zur Beprobung durchfahrende CTD im hydroakustischen
Bild sehen. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass das Methan in zwei Tiefenstockwerken
angereichert vorkommt. Die Bodenwasserkonzentration zwischen 660 m und 600
m Wassertiefe nimmt vom Zentrum des Flares mit Konzentrationen von bis zu 6000
nl/l zum Rand der untersuchten Fläche auf 200-600 nl/l ab. Das darüberliegende
Wasserstockwerk (550-500 m) zeigt Methankonzentrationen zwischen 70 und 150
nl/l. Die höheren Wasserstockwerke zeigen keine stabile Zusammensetzung
mehr. Generell zeigen die Methankonzentrationen auf dem Sachalin-Schelf mit
900-1200 nl/l erhöhte Methananomalien. Die Arbeiten auf dem Sachalin-Schelf
konnten alle erfolgreich am Sonntag, den 15.8., um 2:30 Bordzeit abgeschlossen
werden. Nach kurzem Transit begann dann die Arbeit im Deruginbecken um 04:00
mit der Vermessung. Wir haben mit dem Fotoschlitten bereits mehrere Profile über
die Barithügel gefahren und dabei viele aktive Baritschlote, die durch
schneeweiße, blumenkohlartige, ballgrosße Strukturen gekennzeichnet
sind, beobachtet.
Sowohl die TV-gesteuerten Multicorer- als auch die Fernsehgreifer-Einsätze
waren alle erfolgreich.
SO178 - 4th Weekly report, August 11-17, 2004 In the fourth week of our working program, we began ventgeological investigations
on the northeastern Sakhalin shelf and slope. First of all, the existing bathymetrical
maps were supplemented by extended mapping with the Simrad echosounder. The
investigations concentrated on active gas venting sites. For the first time
during this cruise, bad weather with wind-forces up to 8 hindered our work
so that the last planned piston corer station could not be carried out. This
station was successfully repeated with a core recovery of 24.30 m length subsequent
to night mapping of the so-called Lavrentyev fault. The existence of this fault
has partly been an assumption so far. Now, its morphology is clearly visible
on the Simrad records. In the sediment cores recovered from the Sakhalin shelf,
we found numerous carbonate concretions. They occurred not only at fluid venting
sites here, but also in areas without gas venting. In one core, there was even
glendonite, a pseudomorphose of ikaite. Such mineral precipitates occur in
sediments with an increased content of organic material at a temperature around
the freezing point. On the northern slope of Sakhalin we investigated more
detailedly three areas in which hydroacoustic records displayed gas bubbles
rising in the water column. In all three areas (Obzhirov flare, Chaos area,
and Kitami) we recovered sediments cores containing massive gas hydrate |